Steigende Gefahr aus der Luft

Hybride Bedrohungen nehmen zu: Drohnen werden zum Sicherheitsrisiko

Hybride Angriffe gehören inzwischen zur sicherheitspolitischen Realität in Deutschland. Drohnenüberflüge über Flughäfen, Bundeswehrstandorten oder kritischen Anlagen häufen sich deutlich. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine steigt die Zahl unerlaubter Überflüge spürbar. Allein über Militärstandorten wurden 2023 mehr als 440 Vorfälle registriert.

Diese Drohnen reichen von einfachen Quadrocoptern bis hin zu großen, leistungsfähigen Modellen, die mutmaßlich aus großer Distanz gesteuert werden. Auch Unterwasserdrohnen geraten zunehmend in den Fokus, weil sie maritime Infrastruktur ausspähen oder sabotieren könnten. Die Lage bleibt unübersichtlich, denn Urheber lassen sich oft nur schwer identifizieren.

Hybride Angriffe wirken auf vielen Ebenen

Hybride Angriffe kombinieren physische, digitale und psychologische Mittel. Dadurch können Angreifer Staaten, Unternehmen oder kritische Infrastrukturen destabilisieren, ohne einen offenen Konflikt zu provozieren. Spionage, Sabotage oder Informationsoperationen greifen ineinander und erzeugen eine Grauzone, die Unsicherheit schafft.

Staatliche Akteure gelten häufig als wahrscheinlich, doch eindeutige Beweise sind selten öffentlich. Das liegt an komplexen Tarnmechanismen, verdeckten Netzwerken und digital gesteuerten „Wegwerf-Agenten“, die kurzfristig rekrutiert werden. Diese Akteure handeln oft anonym, übernehmen riskante Aufgaben und erschweren so die Attribution zusätzlich.

KRITIS-Betreiber stehen vor neuen Herausforderungen

Viele Unternehmen arbeiten bereits an der Umsetzung neuer Vorgaben aus NIS‑2 und dem geplanten KRITIS-Dachgesetz. Dennoch zeigen sich große Unterschiede im Sicherheitsniveau. Besonders beim Umgang mit Drohnenangriffen bestehen Lücken, da klare Regeln und kostengünstige Abwehrlösungen fehlen.

Die Regierung reagiert inzwischen stärker. Der Entwurf zur Änderung des Luftsicherheitsgesetzes soll unberechtigte Drohnenüberflüge erstmals als Straftat einstufen. Zudem kann die Bundeswehr künftig bei akuten Drohnenbedrohungen unterstützen und in Extremfällen sogar Waffengewalt einsetzen.

Mann mit schwarzen Haaren und schwarzer Brille

Prof. Dennis-Kenji Kipker, Gründer und Research Director des
Cyberintelligence.institute

Was Unternehmen jetzt tun können

Eine wirksame Sicherheitsstrategie basiert auf drei Bausteinen:

  1. Aktive Abwehr

Techniken wie Jamming, Spoofing oder kinetische Abwehr existieren bereits. Doch im zivilen Bereich sind sie rechtlich nur in Ausnahmefällen erlaubt. Unternehmen können daher nicht alle verfügbaren Systeme einsetzen und müssen eng mit Behörden kooperieren.

  1. Bauliche und organisatorische Resilienz

Sichtschutz, verstärkte Strukturen oder Tarnmaßnahmen können Drohnenaufklärung erschweren. Solche Lösungen lassen sich unabhängig von rechtlichen Vorgaben umsetzen. Trotzdem nutzen viele Betreiber diese Möglichkeiten noch kaum.

  1. Bessere Detektion und klare Entscheidungswege

Frühwarnsysteme sind entscheidend, doch Radar-, Funk- und optische Sensoren bleiben teuer. Hinzu kommen kurze Reaktionszeiten, weil Drohnen oft nur wenige Minuten im Luftraum bleiben. Viele Einrichtungen verfügen zudem über keine verbindlichen Meldeketten oder abgestimmte Protokolle.

Deutschland befindet sich deshalb in einer Übergangsphase. Die Technik ist vorhanden, doch rechtliche Einschränkungen und organisatorische Defizite bremsen den Fortschritt.


Wer tiefer einsteigen möchte und weitere Einschätzungen von Prof. Dennis-Kenji Kipker sucht, findet das vollständige Interview hier auf GIT SICHERHEIT.