Krisenfest durch Vernetzung

Roche Penzberg lebt den Allgefahrenansatz

Der Roche‑Standort Penzberg zählt zu den bedeutendsten Biotechnologiezentren Europas. Gleichzeitig steht er beispielhaft für ein modernes, gelebtes Krisen‑ und Notfallmanagement. Im Zuge des neuen Kritis‑Dachgesetzes gewinnt dieser Ansatz weiter an Bedeutung. Statt reiner Pflichterfüllung setzt Roche seit Jahren auf Resilienz, Vernetzung und regelmäßige Übungen mit externen Einsatzkräften.

Im Gespräch mit GIT SICHERHEIT erläutern Marco Skolik, Leiter Unternehmenssicherheit, und Jörg Kastner, Leiter Krisen‑ und Notfallmanagement, wie sich gesetzliche Anforderungen, betriebliche Verantwortung und der Allgefahrenansatz in der Praxis verbinden lassen.

Kritis‑Dachgesetz: vorbereitet statt überrascht

Junger Mann mit hoher Stirn, Dreitagebart, brauner Rolli, dunkles Sakko

Marco Skolik, Leiter Unternehmenssicherheit bei Roche. Bild: Roche

Das neue Kritis‑Dachgesetz setzt die europäische CER‑Richtlinie um. Ob der Standort Penzberg formal darunterfallen wird, ist noch offen. Die relevanten Schwellenwerte stehen bislang aus. Unabhängig davon sieht sich Roche gut vorbereitet.

Krisen‑ und Notfallmanagement existieren am Standort nicht nur auf dem Papier. Vielmehr sind klare Strukturen, feste Prozesse und eingespielte Abläufe etabliert. Zusätzlicher Aufwand wird vor allem bei Dokumentations‑ und Meldepflichten erwartet. Inhaltlich erfüllt der Standort bereits heute viele der künftigen Anforderungen.

Als Biotechnologieunternehmen verfolgt Roche ein klares Ziel: eine stabile Versorgung von Patientinnen und Patienten weltweit. Resiliente Prozesse sind dafür eine Grundvoraussetzung.

Enge Verzahnung mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten

Feuerwehrleute im Einsatz mit einer Trage

Die Einsatzkräfte meisterten die Bekämpfung mehrerer künstlich erzeugter Brände sowie die Rettung von Personen, um die Abläufe und Schnittstellen im Ernstfall aufeinander abzustimmen. Bild: Roche

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die gewachsene Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sind am Standort Penzberg nicht nur bekannt, sondern eng eingebunden.

Einsatzszenarien werden gemeinsam geplant und regelmäßig beübt. Im Tagesgeschäft bestehen abgestimmte Prozesse, etwa zwischen Werkschutz und Polizei. Auch die Kooperation zwischen Werkfeuerwehr und kommunalen Feuerwehren ist fest etabliert.

Besonders wichtig ist aus Sicht von Roche ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe. Diese Vernetzung ist aus Sicht der Verantwortlichen nicht überall selbstverständlich, aber für wirksame Gefahrenabwehr entscheidend.

Großübungen als Herzstück der Resilienzstrategie

Mittelalter Mann mit Brille und dunklen Haaren

Jörg Kastner, Leiter Krisen- und Notfallmanagement. Bild: Roche

Roche führt regelmäßig Großübungen durch. Seit Kurzem sogar jährlich. Diese Übungen wechseln zwischen internen Szenarien und Lagen mit externen Einsatzkräften. Ziel ist eine realitätsnahe Vorbereitung auf komplexe Ereignisse.

Die jüngste Übung fokussierte erstmals eine polizeiliche Einsatzlage. Gerade hier sind Schnittstellen besonders anspruchsvoll. Polizei, Werkschutz, Rettungsdienste und Feuerwehr müssen präzise zusammenarbeiten.

Das Szenario umfasste die gesamte Einsatzkette. Vom ersten Notruf über die polizeiliche Lagebewältigung bis zur medizinischen Versorgung und Brandbekämpfung wurde alles realistisch simuliert.

Drohnen, Psychosoziales und Führungsstrukturen

Eine Schlüsselrolle spielte moderne Technik. Bereits wenige Minuten nach Einsatzbeginn lieferte eine Drohne Live‑Lagebilder. Diese verbesserten die Entscheidungsfähigkeit der Einsatzleitung deutlich.

Erstmals wurde zudem die Betreuung unverletzter Betroffener intensiv geübt. Die psychosoziale Notfallversorgung rückte damit stärker in den Fokus. Erkenntnisse daraus fließen direkt in die Weiterentwicklung der Konzepte ein.

Auch die Zusammenarbeit zwischen behördlichen Führungsstrukturen und dem internen Krisenstab wurde kritisch reflektiert. Virtuelle Stabsarbeit erwies sich dabei als wichtiger Baustein.

Allgefahrenansatz braucht Unternehmen als Partner

Für Roche ist klar: Der Allgefahrenansatz funktioniert nur, wenn interne Strukturen konsequent mitgedacht werden. Werkfeuerwehren, Werkschutz und Werkrettungsdienste sind integraler Bestandteil der Gefahrenabwehr.

Security und Safety lassen sich nicht trennen. Ebenso wenig interne und externe Akteure. Frühzeitige Einbindung, klare Zuständigkeiten und regelmäßige gemeinsame Übungen schaffen Vertrauen. Genau dieses Vertrauen entscheidet im Ernstfall.

Wie Roche Penzberg diesen Anspruch in der Praxis umsetzt und welche Rolle das Unternehmen künftig im gesamtgesellschaftlichen Kontext spielen will, lesen Sie im ausführlichen Interview auf GIT-SICHERHEIT.de.


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